Technologien
Projektteam der Werkslogistik gemeinsam mit den Partnern Mira und L.I.T. - Bild: Volkswagen
11.08.2026

Volkswagen erprobt ferngesteuerte Werkslogistik

Der Volkswagen Konzern treibt die Digitalisierung und Automatisierung seiner Werkslogistik gemeinsam mit den Partnern Mira und L.I.T. voran. Am Komponentenstandort Kassel hat erstmals ein ferngesteuerter Lkw sowohl auf dem Werksgelände als auch auf öffentlichen Straßen den Realbetrieb absolviert. Gemeinsam mit dem Technologiepartner Mira GmbH, einem Unternehmen der Rheinmetall AG und dem langjährigen Logistikpartner, der L.I.T. Speditions GmbH wurde eine über Mobilfunk ferngesteuerte Terminalzugmaschine unter realen Bedingungen erprobt. Es ist das erste Projekt dieser Art auf öffentlichen Straßen im Land Hessen.


Volkswagen Kassel für die Logistik der Zukunft

Der Standort Kassel, eines der traditionsreichsten Komponentenwerke im Volkswagen Konzern, übernimmt mit der Erprobung ferngesteuerter Lkw-Verkehre eine Vorreiterrolle im Bundesland Hessen. Grundlage für den Testbetrieb im öffentlichen Straßenverkehr bildet die aktualisierte Straßenverkehr-Fernlenk-Verordnung (StVFernLV), die in Deutschland erstmals einen rechtssicheren Rahmen für ferngesteuerte Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen schafft. Volkswagen Kassel nutzt diesen neuen regulatorischen Rahmen als einer der ersten Industriestandorte in Hessen aktiv.

Zum Einsatz kam eine leistungsstarke Terminal-Zugmaschine des Typs Mafi T 230, die mit dem Mira Teleoperations-Kit und einem nachgerüsteten Drive-by-Wire-System ausgestattet wurde. Die Steuerung erfolgte vollständig aus einem Leitstand im Volkswagen Werk Kassel. Die Teststrecke umfasste sowohl werksinterne Bereiche als auch öffentliche Straßen.

Win Neidlinger, Geschäftsführer der Mira GmbH: „Mit dieser Erprobung gehen wir zusammen mit unserem Partner, der L.I.T. Gruppe aus dem niedersächsischen Brake, einen entscheidenden Schritt vom Pilotbetrieb hin zur industriellen Anwendung. Fernsteuerung gestattet es, Fahrzeuge flexibel und sicher auch über Distanz zu steuern und ermöglicht somit insbesondere in der Logistik effizientere Prozesse.“

Die L.I.T. Speditions GmbH bringt als langjähriger Logistikpartner des Werks Kassel ihre operative Expertise in die Erprobung ein. Das Unternehmen verantwortet die Lkw-Shuttle-Verkehre am Standort seit Gründung des Logistikzentrums im Jahr 2012.

Ingo Schreiber, Vorstandsmitglied der L.I.T. Gruppe: „Für uns ist entscheidend, dass neue Technologien nicht nur funktionieren, sondern echten Mehrwert im täglichen Betrieb liefern. Die Fernsteuerung hat das Potenzial, unsere Prozesse nachhaltig zu verbessern.“

Ingo Spengler, Werkleiter des Volkswagen Standorts Kassel: „Unser Standort hat sich über Jahrzehnte hinweg immer wieder erfolgreich neu erfunden. Dieses Pilotprojekt zeigt, dass wir auch bei der Logistik der Zukunft vorangehen. Der ferngesteuerte Lkw verdeutlicht, welches Potenzial in der Vernetzung von Fahrzeugen und digitalen Leitständen steckt – insbesondere mit Blick auf Effizienz, Sicherheit und neue Arbeitsmodelle.“


Effizienz steigern, Fachkräfte sichern, Inklusion fördern

Für den Volkswagen Konzern ist das Pilotprojekt ein konkreter Schritt zur Validierung neuer Technologien unter realen Bedingungen in der Werkslogistik. Die ferngesteuerten Shuttleverkehre bieten die Möglichkeit, Automatisierungs- und Digitalisierungsansätze in der Intralogistik zu evaluieren. Ziel ist es, Erkenntnisse für einen möglichen Dauerbetrieb und eine potenzielle Skalierung auf weitere Konzernstandorte zu gewinnen.

Die Motivation ist konkret: Steigende Transportkosten in der Werkslogistik sowie ein zunehmender Fachkräftemangel im Fahrpersonal externer Dienstleister erfordern neue Lösungsansätze. Fernsteuerung ermöglicht es, Fahrzeuge standortunabhängig aus einem Leitstand heraus zu bedienen, Stand- und Wartezeiten des Fahrpersonals zu reduzieren und Betriebszeiten zu flexibilisieren.

Darüber hinaus eröffnet die Technologie neue Perspektiven für inklusive Arbeitsgestaltung: In einer barrierefrei gestalteten Variante des Leitstands können künftig auch Mitarbeiter mit körperlichen Einschränkungen Fahrzeuge sicher bedienen, ohne die physischen Belastungen des klassischen Fahrbetriebs. So bleibt wertvolle Fachkompetenz im Unternehmen und neue berufliche Perspektiven entstehen. Das Sicherheitskonzept für die Erprobung wurde in enger Abstimmung mit der Werksicherheit, der Stadt Baunatal und dem Regierungspräsidium Kassel erarbeitet und genehmigt.


Stadt Baunatal unterstützt innovative Erprobung am Volkswagen Standort

Durch eine pragmatische Lösung konnte die rechtssichere Erprobung im öffentlichen Straßenverkehr stattfinden und die notwendige Erlaubnis durch die Stadt Baunatal ausgesprochen werden.

Bürgermeister Henry Richter: „Dieses Pilotprojekt steht symbolisch für die jahrzehntelange hervorragende Zusammenarbeit zwischen der Stadt Baunatal und dem Volkswagen Werk. Gemeinsam zeigen wir, wie Zukunftstechnologien durch partnerschaftliches Handeln vor Ort erfolgreich erprobt werden können. Innovationen wie die ferngesteuerte Logistik leisten einen wichtigen Beitrag zu effizienteren und nachhaltigeren Prozessen und zeigen zugleich, dass technologische Entwicklung und Verantwortung für die Menschen zusammengehören.“

(Quelle: Volkswagen Gruppe)

Ferngesteuertes Fahren auf VW Werksgelände