Im französischen Ersatzteillager von Renault ist seit Ende 2024 ein Robotersystem von Exotec im Einsatz. Das System umfasst 67.000 Lagerplätze und 14 Arbeitsstationen. Fast 200 Roboter klettern in die Regale, um die Vorratsbehälter mit Ersatzteilen zu holen und zu den Kommissionierern zu bringen.
Xavier Lhors, Supply-Chain-Direktor der After-Sales-Abteilung von Renault: „Dank dieses Systems hat sich die Zeit für die Kommissionierung von zwei Stunden auf eine Viertelstunde verkürzt. Dadurch konnten wir die Cut-off-Zeit um eine Stunde nach hinten verschieben“.
3,5 Millionen Auftragszeilen
Lhors teilt seine Erfahrungen während des Exosummit, dem Seminar anlässlich der Eröffnung des neuen Hauptsitzes von Exotec. Er zählt weitere Vorteile des Robotersystems auf. So ist die Fehlerquote um zwei Drittel gesunken, während Renault dank der kompakten Lagerungsmethode 50 Prozent mehr Bestellungen bearbeiten kann, ohne das Lager in Villeroy erweitern zu müssen.
Xavier Lhors: „Wir haben im letzten Jahr 3,5 Millionen Auftragszeilen bearbeitet. Und die Investition amortisiert sich innerhalb von zwei Jahren.”
Die Erfahrungen in Villeroy sind so positiv, dass Renault das Robotersystem nun auch im deutschen Ersatzteillager in Brühl für die Kommissionierung einsetzen wird. Dieses System bietet Platz für 25.000 verschiedene Teile, die von 85 Kletterrobotern transportiert werden. Eines wird Lhors anders machen: In Deutschland wird mehr Wert auf Change Management gelegt werden.
Xavier Lhors : „Das haben wir in Villeroy unterschätzt. Die Einführung der Roboter hat bei den Mitarbeitern für viel Unruhe gesorgt. Inzwischen sind alle sehr stolz auf das System. Jeder möchte gerne damit arbeiten.“
Körperliche Belastung bei der Kommissionierung
Die Zeiten, in denen die Menschen im Lager Roboter als Bedrohung sahen, scheinen vorbei zu sein. Nicolas Hunsinger von Exotec fragt regelmäßig, ob die Menschen nach der Einführung eines Robotersystems noch zurückwollen. Die Antwort lautet immer „nein“.
Nicolas Hunsinger: „Untersuchungen zeigen, dass Menschen dreimal lieber in einem Lager mit Robotern arbeiten als in einem Lager ohne Roboter. Roboter sorgen dafür, dass die körperliche Belastung bei der Kommissionierung abnimmt.“
Peter Mohnen, ehemaliger CEO des Roboterherstellers Kuka:: „Roboter vernichten keine Arbeitsplätze, sondern verändern sie. Die Produktivität, Qualität und Arbeitsfreude steigen. Das führt letztendlich nur zu mehr Wachstum und damit zu mehr Arbeitsplätzen.“
Mohren macht während des Seminars deutlich, dass die Entwicklung in der Robotertechnologie vorerst noch nicht abgeschlossen ist.
Peter Mohnen: „Früher arbeiteten Menschen und Roboter nebeneinander, aber mit einem großen Zaun dazwischen. Als Roboter vor etwa fünfzehn Jahren mit Kameras und Sensoren ausgestattet wurden, konnten Menschen und Roboter auch sicher zusammenarbeiten und Aufträge kommissionieren. Da wir immer mehr KI hinzufügen, entwickeln Roboter die Fähigkeit, auf die Umstände zu reagieren und Prozesse in Echtzeit zu optimieren.“
Beschleunigung der Innovation
Der neue Hauptsitz soll Exotec dabei helfen, die Innovation zu beschleunigen. Das französische Unternehmen zog vor zehn Jahren von Paris nach Lille um, aber vor vier Jahren wurde die Zentrale zu klein.
Romain Moulin, CEO und Mitbegründer von Exotec: „Am Ende waren unsere Mitarbeiter auf sieben verschiedene Gebäude verteilt. Das behinderte den Austausch von Ideen und Informationen untereinander. Das hat unser Wachstum verlangsamt“.
In Lille wurde ein komplett neues, 25.000 Quadratmeter großes Gebäude mit viel Backstein und Glas errichtet. Für die runden Konturen der Fassade ließ sich der Architekt von den Kurven der Kletterroboter inspirieren. Im Inneren ist das Gebäude mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet, darunter ein Basketballfeld und ein Fitnessraum. Vom zentralen Atrium aus bietet eine große Glaswand einen Blick auf die Produktionshalle.
Renaud Heitz, Mitbegründer von Exotec: „Wir haben in diesem Gebäude alle Aktivitäten untergebracht, von der Produktentwicklung bis zur Montageabteilung. Seit wir Ende Dezember hierher gezogen sind, merken wir eine Veränderung. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit nimmt zu.”
Humanoide für die Kommissionierung
In den kommenden Jahren liegt der Schwerpunkt vor allem auf den Prozessen außerhalb des Robotersystems.
„Letztendlich geht es nicht um unsere Roboter, sondern darum, die richtigen Kartons zur richtigen Zeit in den richtigen Lkw zu laden. Deshalb wollen wir nicht nur Roboter, sondern komplette Lager liefern“, sagt Moulin und nennt als Beispiel das neue Lager von Pepsico in den Vereinigten Staaten. Exotec hat dafür nicht nur das Robotersystem für die Kommissionierung bereitgestellt, sondern auch die Lagerung von Paletten, das Entstapeln von Produkten und das Auffüllen von Vorratsbehältern. „Wir haben uns von einem Roboterhersteller zu einem Systemintegrator entwickelt.“
Die Wahrscheinlichkeit, dass in solchen Lagern Humanoide beispielsweise für die Kommissionierung eingesetzt werden, ist gering. Die Gründer von Exotec glauben nicht so recht an diese menschlichen Roboter.
Romain Moulin: „Wenn man ein Auto vollständig autonom fahren lassen will, setzt man keinen Humanoiden hinter das Steuer. Es ist viel billiger, das Auto selbst autonom zu machen. Unser Roboter hat nur sechs Motoren. Ein Humanoid benötigt allein schon 48 Motoren, um seitwärts laufen zu können. Das macht einen Humanoiden unglaublich komplex und störanfällig. Daher kann ich mir vorerst noch nicht vorstellen, dass Humanoide wie unsere Roboter auf vierzehn Meter hohe Regale klettern.“
(Quelle: Logica Next / Marcel te Lindert)
Schlagworte
EntwicklungKILagerungLKWLogistikMINTMontageProduktionSensorSensorenTransportUnternehmen